Unerfüllter Kinderwunsch

Von ungewollter Kinderlosigkeit wird gesprochen, wenn nach einem Jahr regelmässigem ungeschützten Geschlechtsverkehr keine Schwangerschaft eingetreten ist. Zum Kinderkriegen braucht es zwei. In ungefähr der Hälfte der Fälle ist die Ursache auch beim Mann zu suchen. Rund 15 % aller Paare sind ungewollt kinderlos. Weltweit findet sich in den vergangenen Jahrzehnten ein deutlicher Rückgang der Samenqualität bei Männern, über dessen Ursache vielfach spekuliert und intensiv geforscht wird. Während sich die Gynäkologen um die weibliche Seite kümmern, ist es die Aufgabe der Andrologen, die komplexen Störungen beim Mann zu erkennen und zu behandeln.

Um den Grund der Fruchtbarkeitsstörung zu klären, durchläuft der Patient eine Basisdiagnostik, die je nach Befunden durch spezifische Tests ergänzt werden kann. Ziel ist es, mögliche Ursachen für die Kinderlosigkeit zu erkennen, um einen möglichst effizienten Therapieplan aufzustellen.

Verständlicherweise sind viele Männer verunsichert und besorgt über mögliche Ursachen der Kinderlosigkeit und über die bevorstehende Abklärung. Es ist daher besonders wichtig, in einem ausführlichen Gespräch eine Vertrauensbasis zwischen Arzt und Patient zu schaffen. Dies schliesst im Idealfall auch die Partnerin mit ein. Hierbei wird u.a. über Lebensstil, sexuelle Beschwerden, Vorerkrankungen und Medikamenteneinnahme gesprochen.

Die körperliche Untersuchung ist völlig schmerzlos und wird häufig durch eine Ultraschalluntersuchung der Hoden ergänzt. Hierdurch können Störungen der Hoden  (Ort der Spermienproduktion) und der benachbarten Strukturen (Samenleiter, Nebenhoden, Prostata) erkannt werden. Die Untersuchung der Samenprobe (Spermiogramm) liefert Informationen zu Zahl, Beweglichkeit und Aussehen der Spermien (Samenzelle), häufig ergänzt durch Funktionstests. Anhand der Richtlinien von der World Health Organization (WHO) wird zwischen «normalen» oder «pathologischen» Spermienwerten unterschieden. Dies alleine lässt jedoch noch keine verlässliche Aussage über die Zeugungsfähigkeit zu.

Wir legen grossen Wert auf eine individualisierte und angemessene Interpretation, bei der alle Einzelaspekte beider Partner berücksichtigt werden.

Basisdiagnostik

  • Gespräch
  • Körperliche Untersuchung (inkl. Ultraschall)
  • Samenzelluntersuchung (Spermiogramm)

Erweiterte Diagnostik

  • Labortests
  • Mikrobiologische  Tests (z.B. Infektsuche)
  • Genetische Untersuchungen

Ziel jeder Kinderwunschbehandlung ist es den Wunsch einer natürlichen Schwangerschaft zu erfüllen. Eine gute Zusammenarbeit mit dem behandelnden Gynäkologen ist hierbei unerlässlich, um die «weiblichen Faktoren» in die Überlegungen mit einzubeziehen.

Je nach Risikofaktoren oder konkreten Ursachen für die eingeschränkte Fruchtbarkeit, lassen sich unterschiedliche Behandlungskonzepte festlegen. Dies kann bei einer Infektion der Samenwege eine antibiotische Therapie oder bei Hodenkrampfadern (Varikozele) eine Operation sein. Positiv kann sich auch die Beseitigung von Störfaktoren (bestimmte Medikamente, Nikotin- und Drogenabusus, berufliche Schadstoff- oder Hitzebelastung, etc.) auswirken. 

Häufig findet sich in der andrologischen Untersuchung jedoch keine fassbare Ursache für die Einschränkung der Spermienqualität. Nach modernen Auffassungen handelt es sich in solchen Fällen überwiegend um Fehler in der Hodenentwicklung, die noch während der Embryonalentwicklung zustande kamen. Hier können unterschiedliche Vitamine und Hormone zum Einsatz kommen mit der Hoffnung die Spermienzahl und Spermienqualität möglichst zu verbessern. Der positive Therapieeffekt dieser Vitamine wird aufgrund der eher spärlichen Datenlage häufig kontrovers diskutiert. Dennoch kann dieser nebenwirkungsarme Therapieversuch unserer Meinung nach offen mit dem Paar besprochen und die Empfehlung diesbezüglich grosszügig gestellt werden. In seltenen Fällen liegt eine Störung der Hirnanhangsdrüse mit Mangel an follikelstimulierendem Hormon (FSH) vor, wodurch eine ungenügende Stimulation der Spermienproduktion resultiert. Durch eine Hormonersatztherapie kann mit hohem Erfolg die Spermienzahl verbessert werden. 

Was sind mögliche Ursachen für eine Sterilität

Hodenerkrankungen

Hodenhochstand (Kryptorchismus), Krampfadern am Hoden (Varikozele testis), Hodentumor

Hormonstörungen

Erkrankungen der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) mit Hemmung der Spermienproduktion

Genetische Erkrankungen

Klinefelter-Syndrom (46, XXY), AZF-Deletionen
Congenitale bilaterale Aplasie des Vas deferens (CBAVD)

Infektionen/Entzündungen

Geschlechtskrankheiten (z.B. Chlamydien) mit Verschluss der Samenwege und/oder Beeinträchtigung der Spermienqualität
Orchitis im Rahmen einer Mumpserkrankung (sog. Mumpsorchitis)

Umweltfaktoren

Hitzebelastung, Pestizide, Schwermetalle, Lösungsmittel

Exogene Faktoren

Medikamente, Nikotin, Alkohol, Drogen, Polychemotherapie

Immunologische Faktoren

Spermatozoenautoantikörper (Abwehrstoffe gegen Spermien)

Weitere Faktoren

Übergewicht, Erektions- und Ejakulationsstörungen

Wann kommen assistierte Reproduktionsverfahren zum Einsatz?

Assistierte Reproduktionsverfahren werden im Volksmund auch «künstliche Befruchtung» genannt. Diese Methoden sind Fällen mit nicht behandelbaren schwersten Störungen der Samenzellproduktion oder Paaren vorbehalten, bei denen die vorgängigen klassischen Behandlungen nicht zum Ziel geführt haben.

Die intrauterine Insemination (IUI) ist hierbei die einfachste Methode, bei der aufbereitete Spermien zum Zeitpunkt des Eisprungs der Frau mit Hilfe eines Katheters in die Gebärmutter eingebracht werden. Ziel ist, eine möglichst hohe Anzahl befruchtungsfähiger Spermien in die Nähe der Eizelle zu bringen. Voraussetzung ist aber eine Mindestzahl gut beweglicher und normal geformter Spermien. Die Insemination wird in der Schweiz bei Frauen vor dem 40. Lebensjahr meist von der Krankenkasse bezahlt. 

Seitdem es möglich ist, reife Eizellen aus den Eierstöcken durch Punktion zu gewinnen, kann es auch mit nur ganz wenigen Spermien zu einer Schwangerschaft kommen. Dabei werden Spermien und Eizellen ausserhalb des Körpers, d. h. im Glas (in vitro), zusammengegeben (sogenannte IVF).  Hierbei muss das Eindringen des Spermiums in die Eizelle von selbst ablaufen. Die sogenannte intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) unterscheidet sich dadurch, dass eine einzelne Samenzelle in die Eizelle injiziert wird. Dieses Verfahren kommt optimalerweise zum Einsatz, wenn nur einige wenige Spermien vorhanden sind.

Die Azoospermie ist eine besonders schwere Form der Infertilität, bei der in der Samenflüssigkeit keine Spermien auffindbar sind. Verschlüsse im Bereich der Samenwege oder eine genetisch bedingte Störung der Spermienproduktion können hierfür ursächlich sein. In diesen Fällen besteht die Chance durch eine operative Entnahme von Hodengewebe Spermien zu finden, mit denen schliesslich die oben beschriebene intrazytoplasmatische Spermieninjektion durchgeführt werden kann. Ein solcher Eingriff wird «testikukäre Spermienextraktion» genannt (TESE).

Ein unerfüllter Kinderwunsch muss heutzutage nicht als Schicksal hingenommen werden. Es gibt zahlreiche Therapieoptionen und manchmal genügen schon wenige Optimierungen auf beiden Seiten zur Erfüllung des Kinderwunsches.

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Weitere Informationen zum Thema finden Sie hier:

Broschüre «Zum Kinderkriegen braucht es zwei» 

Ratgeber für Männer «Und was kann ich tun?»